15. September 2015

Immobilien Bitte keine „Ferninvestments“

Sich selber drum kümmern

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Bildquelle: shutterstock Eine Wohnung in Mailand: Ordentlich gewirtschaftet

Gute Immobilien sind eine interessante Geldanlage. Neben den „Papiergeldern“ (Bankkonten und Anleihen), Aktien und direkten Unternehmensbeteiligungen sowie Gold und Silber runden Immobilienbestände von jeher ein Vermögen ab. Die Anlagemöglichkeiten bei Immobilien sind vielfältig. Welche Strategie sollte man also wählen beim Aufbau eines Immobilienportfolios?

Ich halte gar nichts von „Ferninvestments“ bei Immobilien: Also Häuser und Wohnungen zu kaufen an Standorten, die man im Grunde nicht kennt und wo man auch nur selten zugegen ist. Die Veränderungen innerhalb der Sozialstruktur einer Stadt, Trends und städteplanerische Maßnahmen der Infrastruktur lassen sich aus der Ferne nicht verfolgen. Die Vermietung und die Verwaltung der eigenen Immobilien komplett Dienstleistern, wiederum weit weg, zu überlassen, ohne selbst präsent zu sein, ist kein ratsamer Weg.

Für mich gelten zwei uralte Regeln, wenn es um Immobilien geht: Lage, Lage, Lage und sich selber – bitte schön – drum kümmern. Wie so etwas, auch in größerem Volumen, bewerkstelligt werden kann und einen keineswegs hindert, ein Groß-Immobilienbesitzer zu werden, dazu habe ich ein schönes Beispiel aus Italien:

Die Freundin einer Bekannten von mir lebt in Mailand. Nach einem Schicksalsschlag musste sie sich wohnungsmäßig verkleinern. Die Suche nach einer günstigen Mietwohnung in Mailand ist nicht einfach. Mit großen Anstrengungen gelang es ihr, eine 70-Quadratmeter-Wohnung für etwa 1.200 Euro Miete im Monat zu finden. Normalerweise hätte so eine Wohnung 1.500 Euro gekostet. Zur Wohnungsübergabe erschien der Wohnungseigentümer persönlich. Ein gepflegter, älterer Herr zusammen mit seinem Sohn, der etwa Mitte 30 war. Beide erklärten ausgesprochen freundlich, dass sie die Wohnung bewusst nicht zum Maximaltarif vermieten würden, vielmehr Wert auf einen anständigen und soliden Mieter legen.

Zur Abwicklung der monatlichen Mietzahlungen bestanden sie auf einem Zwei-Monats-Zyklus, jeweils im Voraus, was den Vorteil habe, dass man nur sechsmal im Jahr die Bank beanspruchen müsse. So weit, so gut. Da sich die Freundin meiner Bekannten jedoch in einem gewissen finanziellen Engpass befand, rief sie ein paar Tage später die Sekretärin des Vermieters an. Sie bat, ob man in ihrem Fall nicht eine Ausnahme machen könne. Sie würde doch lieber einmal im Monat die Miete zahlen. Daraufhin die Sekretärin: Ja, das könne sie gut verstehen, sie bitte jedoch um Verständnis, aber das würde den Verwaltungsapparat des Eigentümers zu sehr belasten. Es seien ja nur der alte Herr, sein Sohn und sie, die Sekretärin. Und sie hätten ja immerhin 700 Wohnungen in Mailand im Eigentum.“ Das gefällt mir.

Eine wahre Begebenheit, die mich nachdenklich stimmt, wenn ich an die Immobilien-Investments (einschließlich offener Immobilienfonds) mancher Geldanleger denke, die ich so im Lauf der Jahre kennengelernt habe.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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