25. Juni 2015

Börse Spekulant oder Investor?

Geradlinigkeit führt zum Erfolg

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Bildquelle: shutterstock Gewinnen an der Wall Street: Fakten von Emotionen trennen

Viele Geldanleger wundern sich, warum ihnen an der Börse im Verlauf der Zeit so wenig gelingt. Falsches Timing, zu spät eingestiegen, zu früh verkauft... immer das Gleiche. Worauf es ankommt, ist eine klare Positionierung: Bin ich ein Investor oder bin ich ein Spekulant? Dazwischen gibt es nichts. Aber was macht einen Spekulanten aus? Und was ist eigentlich der Unterschied zum Investor?

Ein Investor beschäftigt sich mit der Beurteilung des Unternehmens, in das er an der Börse gedenkt zu investieren. Er bildet sich eine Meinung über die Qualität der Firma und ihrer Produkte. Ihn beschäftigen die Ertragslage und die Bilanz, die Marktstellung, die Firmenkultur und die Zukunftsaussichten des Unternehmens.

So kommt er schließlich zu seiner Investmententscheidung: Kaufen oder die Finger davon lassen. Schwankende Börsenkurse lassen ihn dann meist kalt. Ihn interessiert seine eigene Einschätzung des Wertes der Firma, und nicht die der Börsianer. Langfristig wird sich seine Berechnung des Wertes auch an der Börse im Kurs widerspiegeln.

Der Spekulant hingegen hat den Börsenkurs im Auge. Er kalkuliert und sinniert, wie sich der Kurs der Aktiengesellschaft entwickeln wird. Wie es mit dem Unternehmen im einzelnen steht, ist für ihn mehr oder minder unerheblich. Oft wissen Spekulanten nicht einmal, was die Firma überhaupt herstellt, wie der CEO heißt oder wo sich die Firmenzentrale befindet. Der Spekulant muss sich mit den Finanzmärkten und der Börsen-Massen-Psychologie gut auskennen; nicht mit der einzelnen Aktiengesellschaft.

Der berühmte Finanzier Bernard Baruch, der den großen Crash an der Wall Street 1929 erfolgreich überlebte, hat das Wesen des Spekulanten schon vor langer Zeit treffend erfasst: „Der wahre Spekulant ist ein Mensch, der Prognosen stellt und der handelt, bevor das betreffende Ereignis eintrifft. Er muss wie ein Chirurg imstande sein, eine Masse komplizierter und widersprechender Einzelheiten zu erforschen, ehe er die wichtigen Faktoren feststellt. Dann muss er imstande sein, mit kühlem Kopf geschickt auf der Grundlage dieser Faktoren zu operieren. Die Aufgabe, an der Börse die Faktoren festzustellen, ist deshalb so schwierig, weil wir zu dem Zweck einen dichten Schleier menschlicher Gefühlsaffekte durchdringen müssen. Die Kursschwankungen werden nicht von unpersönlichen wirtschaftlichen Kräften und wechselnden Ereignissen bewirkt, sondern von den Reaktionen der Menschen auf diese Geschehnisse. Das ständige Problem des Spekulanten besteht darin, die harten wirtschaftlichen Tatsachen von den warmen Gefühlen der Menschen, die mit diesen Faktoren zu tun haben, zu trennen.“ Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen.

Fazit für den Börsenerfolg: Entweder mache ich mich auf und bemühe mich, ein profunder Investor zu werden, oder ich strebe an, ein gewiefter Spekulant zu sein. Wer auf seinem eingeschlagenen Weg konsequent Kurs hält, der hat gute Chancen. Eines führt aber garantiert zum Misserfolg: Einmal „Spekulant zu spielen“, dann den „weisen Investor zu markieren“, je nach Lage und Stimmung, mal so und mal so – das endet im Abseits.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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